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Aktuelles | El-Kothany, Helga | 02.02.2026

Januar-Stammtisch: Güglingen auf dem Weg zur Gesamtstadt

Am 18. November 2025 feierte Güglingen mit seinen Stadtteilen Eibensbach und Frauenzimmern das 50-jährige Bestehen der Gesamtstadt mit dem Ziel, zusammen weiterhin zu wachsen. Der Weg dahin war jedoch keineswegs eben.

In einer gemeinsamen Veranstaltung der Stadt Güglingen und des Zabergäuvereins hatte Enrico de Gennaro nochmals die Gelegenheit, in einem ausführlichen Vortrag die Entwicklung hin zur Eingemeindung der beiden Ortsteile aufzuzeigen.

Auf dem Württembergischen Gemeindetag in Bad Liebenzell im März 1968 beklagten sich die Gemeinden darüber, „Stiefkinder der Bundesrepublik” zu sein. Dabei hatte Theodor Heuss einst gesagt: „Die Gemeinde ist wichtiger als der Staat.”

Während Steuern zugunsten des Bundes und der Länder erhöht würden, fühlten besonders ländliche Gemeinden ihr Geld vom Bund weggenommen. Sie forderten daher mehr finanzielle Beteiligung des Bundes, um überall gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen.

         Bürgermeister Michael Tauch                     Heidrun Lichner, 2. Vorsitzende des
                                                                                                Zabergäuvereins

 

Um die Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden zu stärken, wurde zwischen 1968 und 1975 eine Gemeindereform durchgeführt.

Im oberen Zabergäu zog man durch die Reform nur noch eine einzige Gemeinde in Betracht. Erst ab 2000 bis 5000 Einwohnern sei eine Gemeinde leistungsfähig. Orte unter 1000 Einwohnern sollten bis spätestens 1975 zwangseingemeindet werden, wenn sie sich nicht freiwillig anschlössen.

In der Faschingsausgabe 1969 der „Güglinger Buntschau” konnte man vom „revolutionären Entschluss” der Gemeinden Cleebronn, Eibensbach, Frauenzimmern, Güglingen und Pfaffenhofen lesen, eine neue Gemeinde zu bilden: Cefgüpf! Mit einer Infrastruktur wie eine wohlhabende Großstadt.

Darüber, was tatsächlich zusammengelegt werden sollte, hatte die Landesregierung unterschiedliche Zielplanungen. Aber immerhin gab es schon 1970 ein gemeinsames Mitteilungsblatt für Güglingen, Pfaffenhofen, Weiler, Eibensbach und Frauenzimmern.

Der frühere Bürgermeister von Frauenzimmern und Eibensbach Erwin Breitinger, der Interesse am Zusammenschluss mit Brackenheim hatte, wurde am 22. Januar 1971 zum Bürgermeister von Oberderdingen gewählt. Dem Güglinger Gemeinderat war an einer guten Zusammenarbeit mit den beiden Nachbarorten gelegen. Frauenzimmern legte dafür Güglingen ein Aufgabenprogramm vor mit Punkten wie Flur-/Rebflurbereinigung, eigene Vertreter im Gemeinderat oder Ortskernsanierung.

Nach positiven Bürgeranhörungen unterschrieben Bürgermeister Breitinger und Manfred Volk, bisher Amtsverweser von Frauenzimmern und am 30.3.1971 im „Ochsen” als Bürgermeister von Güglingen verpflichtet, in einer öffentlichen Feierstunde am 1. Juli 1971 ebenfalls im „Ochsen” die Vereinigung der beiden Orte. Die Festansprache hielt Innenminister Walter Krause. In der Nacht vom 30.6. auf den 1.7. marschierte ein Fackelzug zum Ortsschild von Frauenzimmern, um es auszutauschen. Bei der Firma Schneider gab es Freibier für alle!

Am 5. April 1974 konnte man lesen, dass sich die Ehe mit Güglingen bewährt habe, die Gemeinsamkeit funktioniere und man 600000 DM für Erschließung und Straßenausbauten erhalten habe.

Güglingen überlegte auch, Kleingartach einzugemeinden, das auch von Eppingen umworben wurde, dem es sich unter Verlust seines Stadtrechts am 1. Dezember 1971 anschloss.

Ein weiterer Kandidat für Güglingen war Stockheim, das auch Gespräche mit Brackenheim führte. Auch Stockheim hatte eine lange Wunschliste, deren Erfüllung beide Orte zusicherten. Eine Vorabstimmung ging zugunsten Brackenheims aus, da man glaubte, dass am Ende nur eine große Gemeinde übrigbleiben würde. Bei der Bürgeranhörung am 26. März 1972 wollte die Mehrheit jedoch die Selbstständigkeit. Doch am 1. Januar 1974 fand die Eingliederung nach Brackenheim statt, wofür man die vom Land angebotene Prämie kassierte.

Cleebronn, Pfaffenhofen und Zaberfeld blieben selbstständig.

Die Vereinigung mit Eibensbach war problematisch. Der Ort wollte selbstständig bleiben, war auch steuer- und finanzkräftig genug (Layher!), um einen eigenen Bürgermeister, Manfred Volk, bezahlen zu können. Auf die Eingemeindungsprämie verzichtete man und ließ es lieber auf eine Zwangseingemeindung ankommen. Das Innenministerium sah jedoch keine Chance auf Eigenständigkeit. Und gerade weil der Ort so viel Geld hatte, so der Staatsgerichtshof, sollte er Güglingen angeschlossen werden, um die Ungleichheit auszugleichen.

Eibensbach war nicht die einzige kleine Gemeinde, die klagte. Aber von 85 Klagen, die dem Staatsgerichtshof vorlagen, waren nur 7 erfolgreich.

Am 1. Januar 1975 wurde Eibensbach eingemeindet, ohne eine Feier.

Doch nach 25 Jahren feiert man in der Blankenhornhalle dann wenigstens die Silberhochzeit. Die „angeordnete Vernunftehe” habe sich bewährt, hieß es damals in einem Zeitungsartikel.

Heidrun Lichner, Enrico de Gennaro, Michael Tauch, Ulrich Peter - Vorsitzender des Zabergäuvereins