Kleindenkmal des Monats

April: Der kleine Grabstein von Philipps Bernhartt von Sternenfels zu Michelbach

Dieser Grabstein steht in der alten denkmalgeschützten Westmauer des Friedhofs. Immer wieder wird er ganz oder teilweise durch das Efeukleid verdeckt. Der Flechtenbewuchs hatte die Lesbarkeit der Schrift eingeschränkt. Im Jahr 2019 wurde der Stein gereinigt. Die Inschrift lautet:

 

SELLIG SIND/ DIE DOTEN DIE IN/ DEM HERRN STER/ BEN VON NUN AN JÄ/ DER GEIST SPRICH/ T DAS SIE RUHEN/ VON IHRER ARBEIT/ DAN IRE WERCH/ FOLGET IHNE NACH[1] Oben mittig ist ein Engel, links der Voluten eine Spirale in der Größe des mittig dargestellten Engels. Die Spirale steht als Symbol für die Ewigkeit. Von dieser Spirale ausgehend ist ein umlaufender, schwer lesbarer Text eingehauen: „… ERCHEN STARB DER ERBAR UND BESCHAIDEN PHILIPPS BERNHARTT“



[1] Die Inschrift nimmt Bezug auf Offenbarung des Johannes Kap.14, 13

 

Bild: Epitaph für Philipp Bernhartt von Sternenfels zu Michelbach, Foto: H. Lichner, 2017

 

Philipps Bernhartt (+ 1635 in Worms) war verheiratet mit Anna Margarethe von Gutenberg Er starb 1635. Nach dem Tod (1585) seines Vaters Jerg v. Sternenfels, der mit Ursula, geb. v. Helmstatt verheiratet war, wurden die zuvor festgelegten Teile des Lehens unter den vier Brüdern Jacob Christoff, Hans Adam, Veit und ihm selbst nach einem notariellen Prozedere verlost, um Erbschaftsstreitigkeiten vorzubeugen. Er erhielt Michelbach und Teile von Unterriexingen. Zuvor hatte den Teil von Michelbach als Lehen Philipp von Sternenfels, danach Bernhard von Sternenfels, sein Vetter. Verwunderlich ist, dass dieser Grabstein nicht in Michelbach, sondern auf dem Zaberfelder Friedhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Wann dieser Stein nach Zaberfeld gebracht wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Sein Testament ist ebenso wie der Stein erhalten geblieben. Er schreibt: „Darnach wil Ich daß main verblichenner Laichtnam nach sehlichem Abschaiden mainer seellen, Christlich und mainnem adellichen Standt gemeß doch ohne sonderbares hohes gebreng zur Erden darvon er genommen ist, bestattet werden solle, welchem den der getreuwe almechtige Gott durch Jesum Christum in Krafft deß Hailligen (199a) Gaistes sampt allen Rechtgläubigen ain fröliche Aufferstehung verlayhen, mit der seel widerumb verainbarn und ewiglich beseelichen wolle Amen.“ [1]

Philipps Bernharden von Sternenfels verfasste sein Testament 1625 in Unterriexingen und starb 10 Jahre (1635) später in Worms. In der Inschrift seines Grabsteins steht, dass Philipps Bernhard bescheiden sei: Liest man das Testament, so kann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.

„Ein paquet darin die eingeforderte Huldigung zu Michelbach und UnderRüxingen nach Absterben Philipß Bernharden von Sternenfels den 5ten und 10ten Martii Anno 1635 betreffent“.[2] Darin finden sich das Testament u. dazugehörige Unterlagen. Völlig überraschend ist die äußerst großzügige Berücksichtigung seiner Dienerin Anne Treffinger, Waisen- und Bürgerstochter aus Gochsheim. Er begründet dies, mit ihrer Treue zur Herrschaft: „Nachdem auch Anna Jost Treffinger, … mier und mainer hertzgelibten Ehegemallin, vil Jar hero bedes bey gesunden und kranckhen Zaiten und Tagen, getreuwlich gedint, und sie deswegen ainer Ehrlichen recompens wirdig…“ will Johann Bernhard wieder etwas zurückgeben. Der Zeitpunkt der Auszahlung ihres Erbes soll die Hochzeit sein, „zu Zait ihrer Ehelichen und Erlichen Verhairatung“ Er verpflichtet seine Erben darin folgendes zu geben: 1000 f an barem Geld, 1 Bettgewand, 2 Unterbetten,4 Kissen, 1 Deckbett, dazu 6 paar flächsene und 6 Paar leinerne Laken, je 6 Paar Tischtücher auch Flachs und Hanf, 1 Bettladen, … 6 kleine Tischbecher und mit allem darf sie schalten und walten, wie sie will. Auf Lebzeiten von Anne Treffinger wird ihr Wohnrecht eingeräumt in beiden Orten Michelbach und Unterriexingen samt Krautgarten, Weinberg, Holz für den Winter […]. Und er ermahnt seine Erben, ihr einen ordentlichen Platz zu geben: in mainem andern MayherHoff, sampt beden stellen (203b) alhie zu UnderRüxingen zu nutzen, zu bewonen und zu gebrauchen.

Bedenkt man die Höhe der Erbschaft und nimmt als Vergleich die Mitgift seiner Schwestern, die vertraglich auf 3500 fl plus 700 fl für Kleider und „Geschmück“ begrenzt wurden, die die Brüder aus der Erbschaft ihres Vaters zu bezahlen hatten, ist man doch erstaunt.

Außerdem erhält Eberhard Hertzog zu Wirtenberg und Teckh (200a) 100 Duccaten, um für die Einhaltung seines Testaments zu sorgen. Das Widumb und die Morgengabe seiner Frau lässt er testamentlich ändern.

Er richtet einen Fond ein für die armen Leute aus Unterriexingen und Michelbach über jeweils 100 fl. Der Pfarrer und Heiligenpfleger soll diese Summe zu landtleuffige Verzinsung anlegen und aus der Verzinsung haußarme Leith nach beschaffenhaith der Haußhaltung, und Anzahl der Kinder unterstützen.

Seiner Schwester Agnes, die zum 2. Mal Witwe geworden war, vererbt er 1500 fl, deren Rest nach ihrem Tod an ihre 3 Söhne gegeben werden soll.

Seinen Vettern steht nach seinem Abbleben je 1500 f zu. Seine Base Margret von Janowitz bekommt 500 f zugesprochen.

 

Bild 2: Philipp Bernhard von Sternenfels; Foto: 2019



[1] Testament in Aufzeichnungen des Hans Walter von Sternenfels, Archiv Zaberfeld, Bd. 9
[2] Aufzeichnungen des HWvS, Bd.2, S. 212

 

[1] Die Inschrift nimmt Bezug auf Offenbarung des Johannes Kap.14, 13

[1] Testament in Aufzeichnungen des Hans Walter von Sternenfels, Archiv Zaberfeld, Bd. 9

[1] Aufzeichnungen des HWvS, Bd.2, S. 212

März: Michelbach-Württembergisches Wappen über Westportal der Kirche

Beide Aufnahmen zeigen den gleichen Stein. Allerdings liegen vier Jahrzehnte dazwischen. Die obere Aufnahme stammt von Otfried Kies aus den 1970er Jahren. Deutlich ist noch das gevierte württembergische Herzogswappen als Medaillon mit Herzogenhut zu sehen. Heraldisch rechts oben sind die Rauten, rechts unten die Barben, links unten der Heide mit der phrygischen Mütze und links oben der Adler aus der Reichsturmfahne. Im Herzschild auf einem Lilienkreuz finden sich die drei übereinander liegenden Hirschstangen mit fünf nach oben weisenden Enden.

Die Inschrift lautet: M 1787 B

 

Oberes Bild: Württembergisches Wappen Westportal Kirche Michelbach; Foto: Otfried Kies, ca. 1970
Unteres Bild: Württembergisches Wappen Westportal Kirche Michelbach; Foto: Heidrun Lichner, 2014

 

 MB steht hier für Michelbach. 1787 fand eine große Renovierung statt, deren Kosten zum größten Teil durch den Herzog bezahlt wurden. 1749 hatten die Herren von Sternenfels ihr Lehen an den Herzog verkauft und die Gemeinde Michelbach war nicht so wohlhabend, dass es die dringend notwendigen Umbauten allein tragen konnte. Viele Verhandlungen um die Bezahlung waren dem Umbau vorausgegangen. Mit dem Wappen wollte Württemberg auf den nicht unerheblichen Beitrag hinweisen. Michelbach hätte das zum damaligen Zeitpunkt keinesfalls allein geschafft.
Über 200 Jahre hat der Stein nahezu unbeschadet überstanden. Allein die letzten 40 Jahre haben gereicht, den Stein so zu zersetzen, dass man die Bedeutung der Inschrift nur noch erahnen kann.

Februar: Peter Dopfel – Steinhauer aus Brackenheim heiratete nach Botenheim

Geht man am Öhlerschen Haus in Botenheim an der Hindenburgstr. 20 vorbei, fällt sofort der gesprengte Giebel über dem straßenseits liegenden Eingang mit Inschrift, Büste und dem Steinmetzzeichen samt Werkzeug in einer Kartusche auf. Der Steinhauer Peter Dopfel, Witwer aus Brackenheim, heiratete 1703 in die Familie Steckenrieth ein. 1718 erneuerte er schließlich das Gebäude und in diesem Zuge entstand das heute straßenseits liegende Portal mit dem gesprengten Giebel, der durchaus typisch für die erste Hälfte des 18. Jhs. ist. Links in der Aufsicht, ist die ehemalige Inschrift überputzt, die vermutlich PETER DOPFEL lautete. Rechts in der Aufsicht findet man noch die Majuskeln ANNA DORADEA. Mit Anna Dorothea war er 1718 mittlerweile fünfzehn Jahre verheiratet.[1] Ihr Hochzeitsdatum ist der 30. Jan. 1703.

 

[1] Walter Stengel, 793-2008, Beschreibung der Höfe von Botenheim; Vorlage: Angelika Siller

 

Heiratsregister Botenheim, Eintrag zu Peter Dopfel und Dorothea Steckenrieth
Heiratsregister Botenheim, Eintrag zu Peter Dopfel und Dorothea Steckenrieth

d. 30. Jan. 1703 Sind alhier copuliert worden Peter Dopfel Wittwer bürgerl. Inwohner, Maurer und Steinhauer zue brackenheim, und Dorothea Michael Steckenrieths Seel: geweßenen vieljährigen Anwaldt und Bürger-Meister alhier nachgelaßenen Ehliche Tochter (Heiratsregister Botenheim)

 

Im Heiratsregister von Brackenheim findet sich ein ganz ähnlich lautender Text zu dieser ehelichen Verbindung. Allerdings erfahren wir dort, dass Peter Dopfels Frau durch Wiederverheiratung ihrer Mutter Stieftochter des Jerg Öhlers geworden war. Bis heute wird das Gebäude Öhler’sches Haus genannt.

Aus dem Sterbeeintrag von Peter Dopfels Vater, wohnhaft in Brackenheim, der ebenfalls Peter Dopfel hieß, erfahren wir, dass dessen Urahn Jacob Dopfel aus Belsenberg im Schweitzerland, Berner Gebieths stammte. Diese Einwanderung muss um 1650 gewesen sein.

 

Handzeichen und Werk des Steinhauers Dopfel aus Botenheim

Hindenburgstr. 20, Botenheim
Hindenburgstr. 20, Botenheim

Eines seiner Handzeichen findet man am Neuen Spital in Brackenheim, von wo Dopfel ja stammt. Es befindet sich an der Bauinschrift des Spitals, welches 1717 von Werkmeister Johann Greulich unter Leitung von AMPTS BÜRGERMEISTER UND SPITALPFLEGERN JOSEPH IENISCH (Jenisch) wieder aufgebaut wurde. 1691 war es zusammen mit 112 weiteren Gebäuden im großen Stadtbrand von Brackenheim ein Opfer der Flammen geworden.

 

Büste ausgetauscht

 

Die heutige Büste stellt nicht mehr den Steinhauer Peter Dopfel dar. Sie wurde ausgetauscht. Wann genau und warum weiß man nicht. Aber noch 1921 kann man auf der Zeichnung von Th. Weitzäcker deutlich erkennen, dass diese ursprünglich ganz anders aussah. Die Haare waren lockig und wesentlich kürzer, das Gesicht rundlich und fülliger. Auch die Steinart differiert zum Rest des gesprengten Giebels. Auf der heutigen Büste ist eine Schärpe über der uniformähnlichen Jacke und ein Orden zu erkennen und soll somit vielleicht an den Erbauer des Hauses Obristwachtmeister Martin Steckenrieth erinnern, von dem in der Jakobuskirche das Epitaph bis heute noch im Innern zu bewundern ist.

Büste 1921 auf Zeichnung v. Th. Weitzäcker: lockige Haare
Büste 1921 auf Zeichnung v. Th. Weitzäcker: lockige Haare

Januar: Marte Berwart’s Epitaph mit seinem Meisterzeichen (*1564)

Dieses schöne Epitaph aus dem 16. Jh. ist außen am frühgotischen Chorturm der Ostseite der Johanniskirche in Brackenheim zu sehen. Sein Meisterzeichen ist als Vollwappen erhaben gehauen. Der Bär wurde als Helmzier und in der Kartusche dargestellt. Man beachte das erhaben gehauene Steinmetzzeichen. Obwohl diese Grabplatte vor ca. 450 Jahren gemacht wurde, ist sie bis auf die Inschrift im unteren Drittel in einem recht guten Zustand. Dies zeigt die qualitativ hochwertige Arbeit des Steinmetzens, der diese Platte anfertigte. Er hinterließ sein eigenes Handzeichen. Man findet es unterhalb des Vollwappens.

 

Umschrift:

ANO DNI 1564 AVFF

DEN 14. NOVEMBRIS STARB DER ERNHAFT VND KVNSTRYCH MAYST[er]

MARTE BERWART DER SEL GOT

GNAD VND VERLEYCH IME AEIN FREYLICHE AVFERSTEVUNG A[men]

 

Inschrift unten:

DISER MAYSTER MARTE BERW:
ART HAT GEMACHT IN DISER STAT
DEN FIRSTLICHEN SCHLOS BAV
GANCZ GNT [= gut] MIT EINEM KEL:
ER WOL GEMNOT [= gemuot], DER GELEYC
HEN HAT ER AVCH IN EREN
ANDERN FIRSTEN VND HERN
DER GELEYCHEN GEBAVEN FER:
ICHT, DAS NIT EIN EITEL KUNST IST.

OAB Brackenheim 1873 schreibt die letzte Zeile: „das nit ein eides (iedes) Kunst ist“

 

 

Martin Berwart als Baumeister von Schloss Brackenheim 1556-1559

Auf seinem Epitaph wird Marte Berwart als Baumeister angegeben. Der fürstliche Schlossbau mit dem Keller wurde im Auftrag von Herzog Christoph von Württemberg in nur drei Jahren Bauzeit erbaut. Gedacht war er als Witwensitz.

Auch im nahegelegenen Hausen findet man am Südfenster im Chor innen am linken Gewände der Georgskirche mindestens neun Handzeichen von ihm.

M. Berwart hat laut Werner Fleischhauer[1] am pfälzischen Schloss in Bergzabern in leitender Position mitgewirkt.

 

Meister Martin Berwart - Nennung in einer Urkunde von 1563[2]

Seinen Namen M. Martin Berwart von Brackenheim findet man in einem Verzeichnis der Meister, welche das Brüderbuch 1563 unterschrieben haben. Er wird dort nach einem Blesy Berwart[3] genannt. (Sein Sohn soll S. Blasius der Jüngere gewesen sein). Ein Jahr vor seinem Tod war er beteiligt, einhelliglich vorgeschribne ordnungen und Articul helffen setzen, ordnen, ernewern und bestätigen. Sein Ansehen war also zu dieser Zeit so groß, dass er im obersten Gremium mit beriet und beschloss neben den Baumeistern Georg Luthener zu Speyer, oder den Stadtmeistern zu Ulm, Colmar, Zürich, Frankfurt, Nürnberg, Salzburg …

 

Das umgedrehte Zeichen von Martin Berwart findet sich im Zabergäu auch nach seinem Todesjahr 1564 an mehreren Stellen.

 

1.) Stockheim Hausen Kelter 1565

Ein Jahr nach dem auf seinem Epitaph genannten Todesjahr ist sein um 180° gedrehtes Zeichen auf einer Inschriftentafel an der Kelter Stocksberg zu finden.



[1] Renaissance im Herzogtum Württemberg, 1972, S. 47 f.
[2] Aus: Die Freimaurerei in ihrer wahren Bedeutung aus den alten und ächten Urkunden ...“ von Georg Kloss
[3] Bessau, Margarete, Berwart, Blasius der Ältere in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 173

 

 

2.) Güglingen Steintafel am ehemaligen Schafhaus 1569

 

Diese Inschrift  bezeichnet das Jahr 1569. In der Kartusche ist das erhaben gehauene Wappen von Güglingen, die Googel, eine mittelalterliche Kopfbedeckung und von Eibensbach die Armbrust fein ziseliert eingehauen. Der Erhaltungszustand nach rund 450 Jahren spricht für die Qualität der Steinmetzarbeit, die sich auch in der Auswahl des richtigen Steins beweist. Das Zeichen seines Nachfolgers ist links unten zu sehen.

 

3.) Güglingen Leonhardkapelle (1579, 1580, 1586, 1590)

Außerdem stehen laut OAB Brh. mehrere Grabmäler in Güglingen mit seinem auf dem Kopf stehenden Zeichen und den Initialen B M. Diese sind nach dessen überliefertem Todesjahr datiert:

"Eines dieser Grabmäler gehört der Margreta (gest. 1579), der Gattin des im Kirchlein begrabenen Güglinger Pfarrers Jacob Erhart (gest. 1586), ihr Wappen wird von schönem, noch halbgothischem Laubwerk umgeben, dann das der Elisabeth Hemingere, gest. 1580, und das des Gügl. Pfarrers Magister Daniel Hecker von Schorndorf, gest. 23. August 1590, 28 Jahre alt; das Grabmal wurde ihm von seinem Schwiegervater gesetzt.

 

4.) Weitere überlieferte Zeichen finden sich laut der Deutschen Inschriftenkommission (Bd. Ludwigsburg) in Schwieberdingen, nach 1515 (im Schild); vgl. Nr. 157, Markgröningen mit und ohne Schild, vgl. nr. 212.

 

In einigen Sekundärquellen findet man die Nennung eines Sohnes Blasius. Ob nun sein Sohn oder sein zuvor am herzoglichen Alten Schloss in Stuttgart arbeitender Bruder die weiteren Werke gearbeitet hat, ist ungewiss. Als wahrscheinlich gilt, dass sein Zeichen auf seinen Sohn S Blasius den Jüngeren († um 1610), der ebenfalls als Baumeister tätig war, übertragen wurde. Bei allen nach 1564 ausgeführten Werken steht jedenfalls sein Handzeichen auf dem Kopf.

 

Da die Kirchenregister der Toten erst 1587 und damit 23 Jahre nach dem überlieferten Todestag des Martin Berwart beginnen (14.11. 1564), lässt sich dort kein Eintrag zu ihm finden. Es existiert im Kirchenbuch von Brackenheim ein Verzeichnis der im Jahr 1564 allhier an der Pest Verstorbenen. Sein Name wurde in diesem Schriftstück nicht verzeichnet. Allerdings muss man davon ausgehen, dass dieses Namensregister erst Jahre später angefertigt wurde und es deshalb unvollständig sein kann.

Ein Martin Baerwartt ist als Brautvater einer Anna Baerwartt 24. Nov. 1579 eingetragen. Man kann nur spekulieren, ob diese verwandt mit dem Steinmetzmeister ist. Auf jeden Fall finden sich noch einige Zeit Angehörige des Namens Berwartt in Brackenheim.

 

Heidrun Lichner

Dezember: Der Türschlussstein in Weiler am Haus Silcherstraße 3 [O. Kies]

Beim Spaziergang durch Weiler fällt am Haus Silcherstraße 3 ein sehr schön erneuerter Türschlussstein auf. Der Text lautet: „1788 Georg Wilhelm Mächtlin, Frau Elisabetha Cathare­na“.

Und das ist seine Geschichte: Georg Wilhelm Mächtlin, 1792-1797 Schultheiß in Weiler, wurde am 31. Januar 1753 als Sohn von Georg Adam Mächtlen, Bürger und Schneider in Weiler, und Anna Margaretha, „Andreas Haasen, bürgerlichen Inwohners in Weiler, ehelicher Tochter“ geboren. Er heiratete am 22. November 1774 in erster Ehe Wilhelmina, die Tochter von Johann Adam Lägler, Schultheiß in Weiler († 1765). Diese starb am 12. März 1785 an einem hitzigen Gallenfieber. Am 8. September 1785 heiratete der Witwer in Güglingen als „H. Georg Wilhelm Mächtle, Gerichtsverwandter dahier, Witwer,“ die „Jgfr Elisabetha Katharina, Herrn Christian Bekken, Burgermeisters und Feldmessers in Güglingen Fil[ia] cael[ebs].“ Mit dieser zweiten Ehefrau zusammen erbaute er 1788 das Haus in der heutigen Silcherstraße. Mächtlin starb 1797; sein Sterbeeintrag lautt: „Gestorben den 24. Dez. 1797 Nachmittag um h. 3. Uhr. Begraben den 27. Vormittags nach 10. Uhr: Herr Georg Wilhelm Mächtlin, Schultheiß allhier. Gebohren den 31. Jan. 1753. Alter 44 Jahr, 10 Monate, 24 Tage. Dörrsucht.“ Die Witwe heiratete 1798 wieder, nachdem sie und ihr zweiter Mann eine Dispensation wegen Abkürzung der Trauerzeit und Unterlassung der Proklamation erhalten hatten; die Eheeinträge lauten in Weiler: „Kopulirt in Weiler den 9. Aug. 1798 dispensando des Bräutigams wegen in Absicht auf die Trauer und Ausruffen, am Donnerstag: H. Johannes Baltz, Wirth und Beck zu Güglingen, Witwer, mit Frau Elisabetha Catharina, weiland Hrn Georg Wilhelm Mächtlins, Schultheißen allhier in Weiler, Wittib“, und in Güglingen „Nach erfolgter Dispens. nicht proclamirt d. 9. Aug. Weiler Johannes Balz, Burger u. Beckenmeister allhier, Wittwer (conf. 4. Aug. 1783) mit Frau Eli­sabet Katharina, weil. Hrn Georg Wilhelm Mächtle, Schultheissen zu Weiler, nachgel. Wittwe, geb. Beckin von hier (conf. 8. Sept. 1785).“

November: Ofensteine als unselbstständige Kleindenkmalgruppe

Heute sind Ofensteine als schöner Schmuck meist an Hauswänden verbaut. Sie berichten dem Interessierten von moderner Heiztechnik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In diese Zeit fällt die Erfindung des Kastenofens. Ofensteine sind immer Einzelstücke. Nur die in den Raum reichende Seite des Kastens aus Gusseisen stand auf einem Sockel, dem sogenannten Ofenstein. Die andere stand bündig an der Wand. Das ist auch der Grund dafür, dass es immer nur ein Exemplar eines Ofensteines gibt. Das eigentlich Moderne der Kastenöfen war, dass sie sich von einer Nebenkammer bzw. dem Flur aus beheizen ließen. Damit blieb der Wohnbereich bzw. die Amtsstube sauber. Da diese Art metallener Kästen zumeist in Wasseralfingen gegossen wurden, werden sie im Volksmund auch Wasseralfinger Öfen genannt.

Manch einer dieser einstigen Ofensteine existiert noch und nur wenige Exemplare der noch erhaltenen Steine tragen keine Initialen bzw. Berufszeichen. Denn die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufkommende Heiztechnik war modern und fortschrittlich und hatte ihren Preis. Nur gut situierte Bürger konnten sich diese leisten. Dies war sicherlich der Grund, dass man stolz seine Initialen, Jahreszahl, zumeist der Anschaffung, und häufig auch das Berufszeichen einhauen ließ.

Auch in der einen oder anderen Amtsstube nutzte man die neue Technik. So findet man zum Beispiel das Wappen von Kleingartach, den Turm, in einem solchen Stein, der heute im dortigen Museum zu besichtigen ist.

Heute kann man in fast allen Orten des Zabergäus solche Ofensteine entdecken. Sie wurden als Spolien verbaut, meist an Hauswänden, oder in Ochsenburg sogar zwei an einem noch erhaltenen Teilstück der Stadtmauer. Sie berichten vom damaligen „Wohlstand“ ihrer Eigentümer und darüber hinaus häufig auch von ihrem Brotberuf.

Besonders viele dieser Steine sind in Häfnerhaslach vermauert. Unter anderem einer mit einem Hirsch, vermutlich dem Berufszeichen eines Jägers.

Ein besonders schönes Exemplar wurde im Schlössle von Michelbach im Innenbereich eingemauert. Es zeigt einen siebenstrahligen, erhaben gehauenen Stern auf einem dreigestuften Felsen, das Sternenfelser Wappen mit der Jahreszahl 1712. Dieser Stein ist mehrfarbig glasiert.

Charakteristisch für die Gestaltung der Ofensteine sind die Spiralen rechts und links. Sie stehen symbolisch für die Ewigkeit (Schöpfung, Tod bis hin zur Ewigkeit).

Ofenstein im Michelbacher Schlössle innen verbaut
Ofenstein im Michelbacher Schlössle innen verbaut

Ofensteine in Stadtmauer von Ochsenburg

Der neueste wiederentdeckte Stein stammt aus dem ehemaligen Gasthaus Stern in Ochsenburg. Er kam bei Aufräum- und Renovierungsarbeiten im Keller zum Vorschein und trug dort über viele Jahrzehnte ein Brett, auf dem alte Weinfässer gelagert waren. Heute ist er im Eingangsbereich innen mit den Initialen IVS und der Jahreszahl 1749 als Spolium vermauert.

In dem noch erhaltenen Teilstück der Stadtmauer von Ochsenburg sind zwei Ofensteine in Sekundärverwendung eingebaut. Von dem Hagenrain hinaufblickend trägt der rechte eine erhaben gehauene Brezel, das Berufszeichen der Bäcker. Darunter stehen die Initialen C R. Oberhalb der Brezel waren vermutlich Zahlen eingehauen. Da die tragende Fläche zerstört ist, sind diese leider nicht mehr lesbar. Linker Hand davon befindet sich ein zweiter Stein ohne Inschrift, aber mit zwei ineinander liegenden, erhaben gehauenen, kreisförmigen Gebilden.
In dem noch erhaltenen Teilstück der Stadtmauer von Ochsenburg sind zwei Ofensteine in Sekundärverwendung eingebaut. Von dem Hagenrain hinaufblickend trägt der rechte eine erhaben gehauene Brezel, das Berufszeichen der Bäcker. Darunter stehen die Initialen C R. Oberhalb der Brezel waren vermutlich Zahlen eingehauen. Da die tragende Fläche zerstört ist, sind diese leider nicht mehr lesbar. Linker Hand davon befindet sich ein zweiter Stein ohne Inschrift, aber mit zwei ineinander liegenden, erhaben gehauenen, kreisförmigen Gebilden.

Oktober: Wappen Württembergs in Güglingen an der Herzogskelter

Die Tafel ist an der Rückseite der Herzogskelter angebracht. Sie ist gusseisern und bezeichnet das Jahr 1612. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2014. Dargestellt ist das württembergische Wappen des Johann Friedrich von Württemberg. Es ist eine Wappentafel mit ausführlich dargestellter Helmzier.

 

Initialen: 

 

IFHZW. Die letzten drei Buchstaben HZW stehen für Herzog zu Württemberg. IF sind die Initialen von Johann Friedrich, dem Nachfolger seines Vaters Friedrich. Er stammt aus der zweiten Seitenlinie Württemberg-Mömpelgard (Ulrich aus der ersten!). Zur Unterscheidung seiner Linie nahm schon der Vater das Fischweible von Mömpelgard als Haupthelmzier in seine Wappen auf.

 

Helmzier:

 

Das Hiefhorn steht für den Titel des Herzogs von Württemberg. Die Frau mittig, das Fischweible von Mömpelgard als Haupthelmzier, ist ein Symbol für den Herzogentitel von Mömpelgard. Der gerautete Oberkörper der Bracke steht für den Titel des Herzogs von Teck.

 

Das Wappenschild ist geviert:

Feld 1: Drei liegende Hirschstangen als das Stammwappen von Württemberg.

Feld 2: Gold und schwarz gerautet steht dies für das Wappen der Herzöge von Teck.

Feld 3: Die Reichsturmfahne für das Amt des Reichsbannerträgers.

Feld 4: Das Wappen Mömpelgards: in Rot zwei pfahlweise abgekehrte goldene Barben.

September: Zaberquelle

Eine ganze Region (das Zabergäu) leitet ihren Namen von der Zaber ab. Und so war der Wunsch nur zu verständlich, den Ursprung dieses heute meist „zahmen“ Gewässers und seine Bedeutung für die Region durch das Aufstellen eines beschrifteten Steines zu dokumentieren. Schon beim Bau der Häfnerhaslacher Verbindungsstraße 1912 versuchte man, die Zaberquelle im Zuge der Baumaßnahmen zu fassen.[1] Schon mehrfach hatte man sich dies vorgenommen. In einem Bericht anlässlich der Hauptversammlung des Zabergäuvereins vom 14. Juni 1969 heißt es: „Die Fassung der Zaberquelle hat sich aus verschiedenen Gründen als nicht durchführbar erwiesen.“[2] Sucht man die Zaberquelle auf, wird auch recht schnell klar, warum: Es ist nicht wie bei der Quelle des Michelbachs oder anderen eindeutig punktuell zuzuweisenden Quellen. Rund um die Zaberquelle gibt es viel Oberflächenwasser, viele kleine Rinnsale (Sickerquelle) Dennoch wurde vermutlich 1912 zur Einweihung der neuen Verbindungsstraße zwischen Zaberfeld und Häfnerhaslach ein beschrifteter Quellstein aufgestellt. Bei Fällarbeiten ist er in 8 Teile zersprungen (2002). Förster Böckle, damals zuständig für den Stromwald, sorgte dafür, dass ein Steinmetz aus Häfnerhaslach diesen Stein reparierte. Als Ersatz suchte er einen geeigneten Findling aus dem Stromberg. Der Text des Originals wurde eingehauen. Es wird erzählt, dass dies Gottlob Schock aus Zaberfeld gemacht habe. Andere sagen, es war jemand aus Ochsenbach. Nach einem kurzen Zwischenspiel im Rathaus von Zaberfeld lag der Originalstein seit 2012 auf dem Bauhof auf einer Palette und harrte dort immerhin acht Jahre auf eine sinnvolle Sekundärverwendung. Förster Böckle sorgte zeitnah dafür, dass ein neu gehauener Stein an seinem ursprünglichen Platz aufgebaut wurde. Der Text ist in Majuskeln eingehauen und lautet:

 

ZABERBRUNNEN

LASS DEIN WASSER

KLAR UND EWIG FLIE-

SSEN DASS PFLANZEN

TIERE MENSCHEN ES

GENIESSEN DEIN WAS-
SER STRÖME DURCHS
ZABERTAL DAS SCHÖNE

 

Dem Wunsch, die Zaberquelle zu fassen, stehen aber nicht nur die genannten technischen Gründe im Wege, auch die untere Naturschutzbehörde vom Landratsamt erhob ihr Veto. Eine kleine, seltene Steinkrebsart fühlt sich dort in dem kalkhaltigen Oberflächenwasser wohl und soll erhalten bleiben.

 

Seit Mitte des Jahres 2020 steht der reparierte Stein am Abendwaldweg nahe der Ehmetsklinge im dort neu gegründeten Lapidarium mit 17 weiteren historischen Steinen.



[1] ZZV 1912
[2] ZZV 1969/3