Kleindenkmal des Monats

November: Ofensteine als unselbstständige Kleindenkmalgruppe

Heute sind Ofensteine als schöner Schmuck meist an Hauswänden verbaut. Sie berichten dem Interessierten von moderner Heiztechnik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In diese Zeit fällt die Erfindung des Kastenofens. Ofensteine sind immer Einzelstücke. Nur die in den Raum reichende Seite des Kastens aus Gusseisen stand auf einem Sockel, dem sogenannten Ofenstein. Die andere stand bündig an der Wand. Das ist auch der Grund dafür, dass es immer nur ein Exemplar eines Ofensteines gibt. Das eigentlich Moderne der Kastenöfen war, dass sie sich von einer Nebenkammer bzw. dem Flur aus beheizen ließen. Damit blieb der Wohnbereich bzw. die Amtsstube sauber. Da diese Art metallener Kästen zumeist in Wasseralfingen gegossen wurden, werden sie im Volksmund auch Wasseralfinger Öfen genannt.

Manch einer dieser einstigen Ofensteine existiert noch und nur wenige Exemplare der noch erhaltenen Steine tragen keine Initialen bzw. Berufszeichen. Denn die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufkommende Heiztechnik war modern und fortschrittlich und hatte ihren Preis. Nur gut situierte Bürger konnten sich diese leisten. Dies war sicherlich der Grund, dass man stolz seine Initialen, Jahreszahl, zumeist der Anschaffung, und häufig auch das Berufszeichen einhauen ließ.

Auch in der einen oder anderen Amtsstube nutzte man die neue Technik. So findet man zum Beispiel das Wappen von Kleingartach, den Turm, in einem solchen Stein, der heute im dortigen Museum zu besichtigen ist.

Heute kann man in fast allen Orten des Zabergäus solche Ofensteine entdecken. Sie wurden als Spolien verbaut, meist an Hauswänden, oder in Ochsenburg sogar zwei an einem noch erhaltenen Teilstück der Stadtmauer. Sie berichten vom damaligen „Wohlstand“ ihrer Eigentümer und darüber hinaus häufig auch von ihrem Brotberuf.

Besonders viele dieser Steine sind in Häfnerhaslach vermauert. Unter anderem einer mit einem Hirsch, vermutlich dem Berufszeichen eines Jägers.

Ein besonders schönes Exemplar wurde im Schlössle von Michelbach im Innenbereich eingemauert. Es zeigt einen siebenstrahligen, erhaben gehauenen Stern auf einem dreigestuften Felsen, das Sternenfelser Wappen mit der Jahreszahl 1712. Dieser Stein ist mehrfarbig glasiert.

Charakteristisch für die Gestaltung der Ofensteine sind die Spiralen rechts und links. Sie stehen symbolisch für die Ewigkeit (Schöpfung, Tod bis hin zur Ewigkeit).

Ofenstein im Michelbacher Schlössle innen verbaut
Ofenstein im Michelbacher Schlössle innen verbaut

Ofensteine in Stadtmauer von Ochsenburg

Der neueste wiederentdeckte Stein stammt aus dem ehemaligen Gasthaus Stern in Ochsenburg. Er kam bei Aufräum- und Renovierungsarbeiten im Keller zum Vorschein und trug dort über viele Jahrzehnte ein Brett, auf dem alte Weinfässer gelagert waren. Heute ist er im Eingangsbereich innen mit den Initialen IVS und der Jahreszahl 1749 als Spolium vermauert.

In dem noch erhaltenen Teilstück der Stadtmauer von Ochsenburg sind zwei Ofensteine in Sekundärverwendung eingebaut. Von dem Hagenrain hinaufblickend trägt der rechte eine erhaben gehauene Brezel, das Berufszeichen der Bäcker. Darunter stehen die Initialen C R. Oberhalb der Brezel waren vermutlich Zahlen eingehauen. Da die tragende Fläche zerstört ist, sind diese leider nicht mehr lesbar. Linker Hand davon befindet sich ein zweiter Stein ohne Inschrift, aber mit zwei ineinander liegenden, erhaben gehauenen, kreisförmigen Gebilden.
In dem noch erhaltenen Teilstück der Stadtmauer von Ochsenburg sind zwei Ofensteine in Sekundärverwendung eingebaut. Von dem Hagenrain hinaufblickend trägt der rechte eine erhaben gehauene Brezel, das Berufszeichen der Bäcker. Darunter stehen die Initialen C R. Oberhalb der Brezel waren vermutlich Zahlen eingehauen. Da die tragende Fläche zerstört ist, sind diese leider nicht mehr lesbar. Linker Hand davon befindet sich ein zweiter Stein ohne Inschrift, aber mit zwei ineinander liegenden, erhaben gehauenen, kreisförmigen Gebilden.

Oktober: Wappen Württembergs in Güglingen an der Herzogskelter

Die Tafel ist an der Rückseite der Herzogskelter angebracht. Sie ist gusseisern und bezeichnet das Jahr 1612. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2014. Dargestellt ist das württembergische Wappen des Johann Friedrich von Württemberg. Es ist eine Wappentafel mit ausführlich dargestellter Helmzier.

 

Initialen: 

 

IFHZW. Die letzten drei Buchstaben HZW stehen für Herzog zu Württemberg. IF sind die Initialen von Johann Friedrich, dem Nachfolger seines Vaters Friedrich. Er stammt aus der zweiten Seitenlinie Württemberg-Mömpelgard (Ulrich aus der ersten!). Zur Unterscheidung seiner Linie nahm schon der Vater das Fischweible von Mömpelgard als Haupthelmzier in seine Wappen auf.

 

Helmzier:

 

Das Hiefhorn steht für den Titel des Herzogs von Württemberg. Die Frau mittig, das Fischweible von Mömpelgard als Haupthelmzier, ist ein Symbol für den Herzogentitel von Mömpelgard. Der gerautete Oberkörper der Bracke steht für den Titel des Herzogs von Teck.

 

Das Wappenschild ist geviert:

Feld 1: Drei liegende Hirschstangen als das Stammwappen von Württemberg.

Feld 2: Gold und schwarz gerautet steht dies für das Wappen der Herzöge von Teck.

Feld 3: Die Reichsturmfahne für das Amt des Reichsbannerträgers.

Feld 4: Das Wappen Mömpelgards: in Rot zwei pfahlweise abgekehrte goldene Barben.

September: Zaberquelle

Eine ganze Region (das Zabergäu) leitet ihren Namen von der Zaber ab. Und so war der Wunsch nur zu verständlich, den Ursprung dieses heute meist „zahmen“ Gewässers und seine Bedeutung für die Region durch das Aufstellen eines beschrifteten Steines zu dokumentieren. Schon beim Bau der Häfnerhaslacher Verbindungsstraße 1912 versuchte man, die Zaberquelle im Zuge der Baumaßnahmen zu fassen.[1] Schon mehrfach hatte man sich dies vorgenommen. In einem Bericht anlässlich der Hauptversammlung des Zabergäuvereins vom 14. Juni 1969 heißt es: „Die Fassung der Zaberquelle hat sich aus verschiedenen Gründen als nicht durchführbar erwiesen.“[2] Sucht man die Zaberquelle auf, wird auch recht schnell klar, warum: Es ist nicht wie bei der Quelle des Michelbachs oder anderen eindeutig punktuell zuzuweisenden Quellen. Rund um die Zaberquelle gibt es viel Oberflächenwasser, viele kleine Rinnsale (Sickerquelle) Dennoch wurde vermutlich 1912 zur Einweihung der neuen Verbindungsstraße zwischen Zaberfeld und Häfnerhaslach ein beschrifteter Quellstein aufgestellt. Bei Fällarbeiten ist er in 8 Teile zersprungen (2002). Förster Böckle, damals zuständig für den Stromwald, sorgte dafür, dass ein Steinmetz aus Häfnerhaslach diesen Stein reparierte. Als Ersatz suchte er einen geeigneten Findling aus dem Stromberg. Der Text des Originals wurde eingehauen. Es wird erzählt, dass dies Gottlob Schock aus Zaberfeld gemacht habe. Andere sagen, es war jemand aus Ochsenbach. Nach einem kurzen Zwischenspiel im Rathaus von Zaberfeld lag der Originalstein seit 2012 auf dem Bauhof auf einer Palette und harrte dort immerhin acht Jahre auf eine sinnvolle Sekundärverwendung. Förster Böckle sorgte zeitnah dafür, dass ein neu gehauener Stein an seinem ursprünglichen Platz aufgebaut wurde. Der Text ist in Majuskeln eingehauen und lautet:

 

ZABERBRUNNEN

LASS DEIN WASSER

KLAR UND EWIG FLIE-

SSEN DASS PFLANZEN

TIERE MENSCHEN ES

GENIESSEN DEIN WAS-
SER STRÖME DURCHS
ZABERTAL DAS SCHÖNE

 

Dem Wunsch, die Zaberquelle zu fassen, stehen aber nicht nur die genannten technischen Gründe im Wege, auch die untere Naturschutzbehörde vom Landratsamt erhob ihr Veto. Eine kleine, seltene Steinkrebsart fühlt sich dort in dem kalkhaltigen Oberflächenwasser wohl und soll erhalten bleiben.

 

Seit Mitte des Jahres 2020 steht der reparierte Stein am Abendwaldweg nahe der Ehmetsklinge im dort neu gegründeten Lapidarium mit 17 weiteren historischen Steinen.



[1] ZZV 1912
[2] ZZV 1969/3