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Aktuelles | El-Kothany, Helga | 10.03.2026

Februar-Stammtisch: Gemeinschaftseinrichtungen in Hausen

Zur Hochzeit gibt es einen Sack Kartoffeln 

 

Die Zeit, von der der Heimatforscher Günter Keller beim Februar-Stammtisch des Zabergäuvereins berichtet, ist noch gar nicht so lange vorbei. Dennoch scheinen die vielen Fotos, die seinen Vortrag illustrieren, die persönlichen Erinnerungen, Erzählungen seiner Großmutter, die er notiert hat, und viele Anekdoten aus einer „anderen Welt” zu stammen.

Sein Thema sind Beispiele von  Gemeinschaftseinrichtungen im damals sehr landwirtschaftlich geprägten Hausen, die ihre Glanzzeit zwischen 1930 und 1985 haben und an die sich einige der Zuhörer noch bestens erinnern - und die es wohl in ähnlicher Form in vielen Orten gegeben hat. Es sind Einrichtungen, die die Gemeinde nicht mehr übernehmen kann, weshalb sich ab 1893 private Vereinigungen und Genossenschaften bilden.

Von 1934 bis 1971 gibt es mitten im Ort das Milchhäusle, das mit einem Festzug eingeweiht wird und auf das man stolz ist.

Kann man zuvor nur dreimal wöchentlich die Milch zum Traubenwirt bringen - ansonsten wird sie zu Butter verarbeitet -, kann man sie nun täglich abliefern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird sie sogar im heißen Wasserbad hoch erhitzt, später gekühlt und vor Ort verkauft.

Ein Nebeneffekt: Man kann hier auch Kartoffeln dämpfen und daraus eine Art haltbarer „Kartoffelchips” machen.

1971 ist die Zeit des Milchhäusles vorbei. Die seit 40 Jahren existierende Milcherzeugergenossenschaft Hausen schließt sich der Milcherzeugergenossenschaft Unterland an. Die Milch wird nun direkt in Tankwagen erfasst - und aus dem Milchhäusle wird bis 1988 eine Poststelle.

Zum Ausflugsziel für Bustouren wird die beliebte Gemeinschaftsgefrieranlage, die man 1954 in der unteren Kelter einrichtet. In einer Zeit ohne eigene Kühlschränke mietet man sich zusammen mit Familie oder Freunden ein Kühlfach. Auch das Fleisch von Notschlachtungen kann man hier abgeben, das zu niedrigem Preis als Freibankfleisch verkauft wird.

Nach der Aufgabe wird die Kelter vom Kulturkreis Hausen, vom Turn- und vom Gesangverein genutzt. Das Gebäude ist nun in der Obhut der Stadt, die auch den Strom dafür bezahlt.

Auch ein eigenes Bad hat damals Seltenheitswert, sodass man von 1953 in der neuen Schule ein öffentliches Bad einrichtet, das bis 1970 betrieben wird.

Eine wichtige Einrichtung ist die Genoba, die Genossenschaftsbank, die eine Waschküche, Dreschhalle, Sackflickerei und Saatgutreinigung unterhält und wo sich Leute aus dem Armenviertel etwas Geld verdienen können.

Die ersten beiden Gemeinschaftseinrichtungen sind der landwirtschaftliche Ortsverband von 1894, eine Warenbezugs- und Absatzgemeinschaft, die 1934 mit der Darlehenskasse zwangsfusioniert, und der allgemeine Darlehenskassenverein, der schließlich 1992 mit der Volksbank Brackenheim fusioniert.

In einer privaten Scheuer bewahrt der landwirtschaftliche Ortsverband vieles auf, was in Kommission verkauft wird. Auch Kartoffeln.

Als „Anschauungsobjekt” aus dieser Zeit hat Günter Keller gut gehütete Kartoffelsäcke mitgebracht, mit Namen bedruckt, die man zur Hochzeit gefüllt mit Kartoffeln bekommen hat und die vielfach verwendet werden. Sie werden weitervererbt und bei Bedarf von einer Frau aus dem Armenviertel geflickt.

Eine private BGB-Gemeinschaft bewässert bis etwa 1960 die wenigen wertvollen Hausener Wiesen, baut Wehre zur Regulierung ein (was als inoffizielles „Freibad” für Kindergartenkinder genutzt wird).

Die Wasserentnahmegemeinschaft, die zu Beginn Wasser aus der größten Quelle des Zabergäus, der Waschbrunnenquelle, in Fässer pumpt, baut gemeinsam mit Dürrenzimmern eine Zentralbewässerung für 80 ha Weinberge zwischen Hörnle und Maisenhölzle.

„Es gibt ein gutes Gemeinschaftsgefühl, dass man etwas zusammen hinbringt”, so Günter Kellers Fazit am Ende seines Vortrags. Eine Gemeinschaft, die heute hauptsächlich von Vereinen, die zusammenhalten, getragen wird.