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Aktuelles | El-Kothany, Helga | 20.04.2026
März-Stammtisch: Tomaten müssen nicht immer rot sein
Die gesündeste Frucht der Welt
Er wolle niemanden bekehren oder belehren. Jeder solle seinen Garten nach eigenem Gutdünken richten, sagt Rudi Beihofer, der „Tomaten-Papst” aus Ersingen-Kämpfelbach.
Doch die außergewöhnlich vielen Gäste beim März-Stammtisch des Zabergäuvereins möchten sicher einiges lernen von dem Mann, der auf seinem eigenen Gelände anfangs zwischen 430 und 450 verschiedene Tomatensorten anbaute, mittlerweile 200 bis 250 Sorten. „Nur die geschmacklich interessanten Früchte mit gesunden Inhaltsstoffen.” Und die er nach dem Setzen bis in den Herbst hinein dank seiner besonderen Anbaumethode nicht mehr gießen muss! Nicht einmal in den immer heißer werdenden Sommern!
„Die Tomate ist rund und rot, das denken alle.” Von den 100000 bis 200000 registrierten Sorten seien jedoch nur 30 bis 40 Prozent rot.![]()
Erst 1997 fängt Rudi Beihofer während eines längeren Aufenthalts in Malaysia damit an, sich mit Tomaten zu befassen. Er isst unwissentlich die erste Tomate seines Lebens, die so völlig anders ist, als man sie bei uns kennt. Das Erlebnis lässt den mittlerweile 82-Jährigen von „Saulus zu Paulus” werden. Fortan sucht er nach ihm unbekannten Sorten und Anbaumethoden, lernt, wie man Inhaltsstoffe der Pflanzen beeinflussen kann und auf sie eingeht, um ihnen gerecht zu werden. „Bei uns passiert da nicht viel.”
Seine Erkenntnisse: Die Tomate hilft sich selbst am besten. - Im Umgang mit der Natur muss man versuchen, das Ganze zu sehen und auf Kleinigkeiten zu achten. - Nicht vom Menschenverstand her denken, sondern von der Pflanze her fühlen!
In Ersingen-Kämpfelbach kauft er ein für seine Zwecke ideales Gelände, sonnig, leicht zugänglich, jahrelang unberührt, mit Steinen und Hecken, kaum Erde, kein Wasser. Die Hecken lässt er stehen, den Rest rodet er und legt die ersten vier Beete aus Strohballen an, die er jährlich erweitert. Von einem Bauern bekommt er vergammelte Strohballen, die er auseinanderzieht, in vier Schichten häuft, dazwischen etwas Sand streut. Ins Pflanzloch kommt eine Schaufel Erde. Auberginen, Bohnen, Kohl, Chili, Wurzelgemüse wachsen so bestens. Tomaten zieht er nur auf Stroh groß.
Wichtig sind die hinzugefügten Mineralien: Sand, Holzasche, Kaffee, Brennnesseln…. Damit experimentiert er, verteilt die Stoffe unterschiedlich und ändert dadurch den Geschmack. Empfehlenswert ist Urgesteinsmehl, das ausreichend Mineralien enthält.
Bald werden Spaziergänger, aber auch Gastronomen auf seine Tomaten aufmerksam. Aus vier werden vierzig Beete aus vier Strohschichten mit Zusätzen wie Sand und Kräuter. In den Pflanzlöchern hat er keine Erde mehr. Die Tomate wird tief ins Stroh gedrückt. Fertig!
Viele Samen hat Rudi Beihofer aus Südostasien mitgebracht. Viele hier unbekannte Samen findet er auch bei Aussiedlern.
Mit Aussaat und Anzucht beginnt er in der zweiten Januarwoche, ist mit Säen Mitte März fertig. Bis zu 25 Samen kommen in einen Plastikbecher mit Blumenerde, den er hell aufstellt. Ab 10 cm Größe kommen die Pflänzchen in größere, saubere Plastikschalen mit normaler Erde im Abstand von 2 bis 3 cm für 3 bis vier Wochen. Bei Temperaturen über 5°C sollten sie möglichst ins Freie.
Nach weiteren zwei Wochen sind sie 15 bis 18 cm hoch. Jetzt werden die Blattachsen pikiert.
„Wenn Jungpflanzen verzärtelt und gegossen werden, gibt es keine sehr guten Tomaten.” Kräftig werden Pflanzen durch Reize wie Trockenheit, Wind, Sturm. „Die Pflanze muss sich durchsetzen. Quälen Sie Ihre Pflanzen! Sie werden es Ihnen danken.”
Die Auspflanzung erfolgt Ende April/Anfang Mai.
Nur beim Setzen werden die Pflanzen gegossen, dann nicht mehr. Die Heuballen sollen zu diesem Zeitpunkt nass sein wie ein Schwamm. „Davon lebt die Pflanze vier bis fünf Monate.”
Wer mehr erfahren möchte, kann Rudi Beihofer besuchen. Vorher bitte anmelden!
Adresse: Laierbergstr. 8, 75236 Kämpfelbach-Ersingen, Tel. 07231 81955
Einwandfreies Saatgut gibt es z.B. bei Melanie Grabner, www.lilatomate.de

