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Aktuelles | El-Kothany, Helga | 12.09.2026

Mitgliederversammlung April 2026: Hans Spryss von Zaberfeld

Spätgotik in Baden
Hans Spryss (1450-1530) von Zaberfeld und  die Baukunst im  Umkreis der badischen Markgrafen

 

Nach den Regularien und einem Grußwort von BM’in Diana Danner referierte der Bauhistoriker Dr. Friedrich Becker über einen großen Sohn der Gegend, Hans Spryss (1450 bis 1530) aus Zaberfeld, mit dem sich noch nicht allzu viele beschäftigt haben und den auch in seiner Heimat kaum jemand kennt.
Im Zuge seiner Doktorarbeit hat sich der junge Historiker nicht nur mit dem markgräflichen Werkmeister im Dienst des badischen Markgrafen, sondern auch mit weiteren Baumeistern aus derselben, deren Einfluss man im Werk von Spryss erkennen kann, die untereinander auf unterschiedliche Art über ein weites Gebiet vernetzt waren.

Das geringe wissenschaftliche Interesse an ihm und an der Vielzahl spätgotischer Bauwerke in Baden  mag nicht zuletzt an der Heterogenität des Landes liegen, einem Gebiet zwischen Bruchsal, Baden-Baden, vom Rhein bis östlich von Pforzheim, Gebiete im Schwarzwald, in der Ortenau, im Breisgau, in der Pfalz, Lothringen und Luxemburg.
Spryss steht 15 Jahre lang im Dienst des badischen Markgrafen. Sein Steinmetz- beziehungsweise Meisterzeichen lässt sich jedoch über einen Zeitraum von 30 Jahren in einem weiten Umkreis entdecken.

Wichtig ist eine Bestallungsurkunde von 1475. Spryss bekommt darin vom Markgrafen Christoph I  und dessen Bruder Albrecht von Hachberg das Vorrecht für sämtliche herrschaftlichen Bauunternehmungen in der Marktgrafschaft zugesprochen. 

Er hat jedoch zu vielen anderen Persönlichkeiten persönliche Verbindungen, zum Beispiel zu Heinrich von Sternenfels, die in Urkunden für ihn siegeln. Spryss selbst hatte kein eigenes Siegel. Er war nicht von Stand.

Erwähnt wird Spryss als Schöpfer einer errichteten Kapelle bei der einstigen Klosteranlage Gottes Aue bei Karlsruhe, und er wird Taufpate einer neuen Glocke, was eine durchaus prestigeträchtige Aufgabe für ihn war. 

Zu seinem bedeutendsten Werken gehören der Stiftschor der Michaeliskirche Pforzheim, Teile des Kreuzgangs des Klosters Hirsau, Arbeiten an Pfarrkirchen, zum Beispiel in Niefern, Brackenheim, Kleingartach, Teile des neuen Schlosses in Baden-Baden, der Chor der Stiftskirche Ettlingen sowie der Chor der Klosterkirche von Bad Herrenalb - und natürlich das Sakramentshaus in Zaberfeld.
Die Vernetzung der Steinmetze untereinander reichte weit, was sich an architektonischen Detailformen gut nachweisen lässt. Auch die Strahlkraft, die Spryss auf andere hatte und der Einfluss anderer auf ihn lässt sich an vielen Arbeiten in weitem Umkreis deutlich erkennen. Man kann daraus schließen, dass Spryss sich 1483 in Straßburg aufhielt und Anregungen von dort für Werke im Zabergäu mitnahm, zum Beispiel für das Zaberfelder Sakramentshaus. Aufgrund genauer Untersuchung stellte Becker einen Einfluss von Spryss auf andere Werkmeister fest, den man bisher kaum festgestellt hat. 

Das Hauptwerk von Spryss ist der Pforzheimer Stiftschor mit auffallenden Scheitelrippen, wie sie in der Hofkirche Kaiser Friedrichs III,  der Georgskapelle in der Wiener Neustadt, zu finden sind. Eine Verbindung nach Wien lässt sich finden: Der badische Markgraf Karl I, der auch die Pforzheimer Stiftskirche erbauen ließ, war mit der Schwester des Habsburger Kaisers verheiratet. Spryss hat sich in seiner Arbeit weiterentwickelt und hat neue Stiltendenzen in sein Werk aufgenommen, wie Becker bei sehr intensiven Untersuchungen und Vergleichen in einem weiten Raum feststellen konnte.