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Aktuelles | El-Kothany, Helga | 07.10.2026
Mai-Stammtisch: Kunst und Kult auf dem Michaelsberg
Bereits seit 17 Jahren ist Hermann Rupp „Pfarrer im Unruhestand“: neben Vertretungen in Gottesdiensten ist er Wanderer auf vielen europäischen Jakobswegen, Reiseleiter zu Städten des frühen Christentums und Hobbyfotograf, gesegnet mit dem richtigen Auge für wunderbare Motive, aus denen er auch Audiovisionen zusammenstellt.
Beim Mai-Stammtisch des Zabergäuvereins war er zu Gast mit einer Audiovision über die Kapelle auf dem Michaelsberg in Cleebronn und ihre Kunstschätze.
Dieser Kegelberg, der "Wächter des Zabergäus", - für Otto Link das „Herzstück des Zabergäus“ - hatte mit seinen 394 Metern Höhe für die Menschen schon immer eine besondere Anziehung und Bedeutung, auch als spirituelles Zentrum, und seine Michaels-Legende inspirierte Justus Kerner und Eduard Mörike.
Ausgrabungen bestätigen eine frühkeltische Besiedlung, ein möglicherweise römisches Heiligtum und eine alemannische Kultstätte.
Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird eine Kapelle auf dem Berg im Jahr 793 im Lorscher Kodex. Die frühere Kirche lag unterhalb der heutigen Kapelle, mit dem Turm im Westen.
Auch die Herren von Magenheim hatten bis zu den Bauernkriegen eine Burg auf dem Bergrücken.
Mit der Reformation hörte der katholische Gottesdienst auf. Aus der Kapelle wurde eine Scheune.
1785 erwarb Württemberg Bönnigheim mitsamt Michaelsberg. 1823 verstarben die letzten Kapuzinerpatres auf dem Berg, womit auch die Unterhaltung des Hospizes endete.
1959 wurde das Hospiz zu einer katholischen Jugendbildungsstätte samt Tagungshaus umgebaut.
Während der Renovierungsarbeiten zwischen 2003 und 2006 habe man die Kirche fast zum Einsturz gebracht, erzählt Hermann Rupp. Durch „Schönheitsreparaturen“ seien Hohlräume im Mauerwerk entstanden, die man mit Mörtel aufgefüllt habe.
Auseinanderdriftende Mauern – mehr als 20 cm -, verrottete Balken und tonnenschwerer Schutt machten eine tiefgreifende Sanierung nötig. Allein die Kosten für den Dachstuhls beliefen sich auf 400.000 Euro.
Eine Besonderheit im Turm sind die beiden Kirchenglocken Catharina und Susanna.
„Wenn sie zu Beginn eines Gewitters geläutet werden, schützen sie vor dem Gewitter. Daran glaubten beide Konfession.“
Im ältesten Teil der Kirche, dem Chor, findet sich Kunst aus allen Jahrhunderten, darunter farbige Malereien, die auf die komplett getünchten Wände aufgetragen wurden, also Malereien, keine Fresken.
Heute noch gut an ihrem Symbolen zu erkennen sind die vier Evangelisten, Malerei aus dem 14. Jahrhundert: Matthäus mit Flügeln, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier, Johannes mit dem Adler.
An der Außenwand der Kapelle befindet sich eine Marienfigur, „Maria vom Trost“, die sich auch im Inneren wiederfindet und die Jesus und seine Mutter in unüblicher Haltung zeigt.. Künstlerische Höhepunkte der Kapelle sind die Kapitelle. Eine weitere Besonderheit im Eingangsbereich rechts sind Teile eines karolingischen Altars, den man, wie Hermann Rupp bedauert, kaum wahrnimmt.
Im Außenbereich befindet sich in einem Teil des Friedhofs eine Gedenkstätte für unbestattetes Leben. „Der Mensch braucht einen Ort zum Trauern.“ Das trauende Paar des Pfarrers und Bildhauers Sieger Köder schaut in ein leeres Grab, in dem kein Kind liegt.
Es sind keine schönen Gesichter. Sie zeigen das Leid der Eltern. Das offene Grab symbolisiert die offene Wunde, die nicht heilen will. Ein Trost ist die Rose, die aus dem Kreuz und sich dem Grab zuwendet, wächst. Ein Zeichen für neues Leben und der Hoffnung.

