News & Aktuelles
Aktuelles
Aktuelles | El-Kothany, Helga | 13.10.2026
Oktober-Stammtisch: Spuren einer hochmittelalterlichen Töpferei bei Pfaffenhofen
„Pfaffenhofen war das Villeroy & Boch des Mittelalters“, stellt BM‘in Carmen Kieninger humorvoll in ihrem Grußwort vor den vielen Gästen im Sitzungssaal des Pfaffenhofener Rathauses fest. In einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Zabergäuverein geht es am vergangenen Mittwoch um eine hochmittelalterliche Töpferei im Gebiet des Steffelensbergs.
Bereits vor 20 Jahren findet der Hobbyarchäologe aus Kleingartach Alwin Schwarzkopf dort Scherben, die er dem Landesamt für Denkmalpflege meldet. Scherben von Fehlbränden, von Ausschussware, die man dort einfach liegen gelassen hat. Zum Glück!
Drei Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege referieren an dem Abend über unterschiedliche Formen ihrer Forschungsmethoden sowie über den Stand der aktuellen Grabungen.
Olaf Goldstein, Mittelalter- und Neuzeitarchäologe, geht zuerst auf die geologischen Voraussetzungen für die Töpferei ein. Notwendig ist Ton, den man einer 8 m² großen Grube entnimmt, ebenso Brennholz und Wasser, woran die Gegend reich ist. Mit einem LIDAR-Scanner hat man Strukturen erkannt, Abbauspuren, ovale Vertiefungen für die Öfen.
Über die geophysikalischen Untersuchungen, den „Blick in den Boden“, um unterirdische Strukturen und archäologische Befunde ohne Ausgrabungen zu erkunden und zu kartieren, referiert Dr. Natalie Pickartz. zuständig für geophysikalische Prospektion. Ähnlich wie bei Ultraschallaufnahmen erstellt man in einer gewissen Bodentiefe ein Profil der magnetischen Suszeptibilität. Stößt man auf entsprechende Werte, wird an der Stelle tiefer gebohrt. Dabei ist man auf Ascherückstände getroffen, eine Halde von Fehlbränden sowie eine zum Töpferofen gehörende Grube mit tiefschwarzem Material.
![]()
Sehr anschaulich und so, wie man sich Archäologie landläufig vorstellt, wird es beim Vortrag von Dr. Robin Dürr, ebenfalls Mittelalter- und Neuzeitarchäologe, der dort die Grabungen durchführt, die seine Kollegin zuvor prospektiert hat. Fotos vom Ausgrabungsort vermitteln ein ziemlich klares Bild von der ehemaligen Anlage, wo man offensichtlich eine Massenproduktion an Gebrauchsgeschirr, größeren und kleineren Töpfen, betrieben hat. Dabei handelt es sich um die ältere graue Drehschreibenware, meist dunkelgrau, schmucklos, typisch für das Gebiet nördlicher Neckar/Kraichgau. Brenn- und Feuerungsraum lassen sich erkennen und dass es sich um einen stehenden Ofen mit Schlitztennen handelt. In über 150 Orten in Baden-Württemberg hat man Scherben dieser Töpferware gefunden. Daran, wie weit die Ware tatsächlich verkauft wurde, wird noch geforscht.
![]()
Zur Bestimmung des Alters kohlenstoffhaltiger, organischer Materialien hat man die C 14-Methode (Radiokarbonmethode) angewandt
Eine weitere Methode, Gegenstände zu datieren, ist die Thermoluminiszenz (TL). Kristalle bestehender Materialien speichern Energie aus natürlicher radioaktiver Strahlung. Durch Erhitzung wird diese freigesetzt in Form von Licht.
Wieso ein Töpferofen im Wald stand, mag daran liegen, dass es dort ehemalige Wirtschaftsflächen gab, die verlassen wurden (Wüstung), außerdem günstig gelegen an Hohlwegen.
Dass es in der Gegend aufgrund der Tonvorkommen, die noch bis in die Neuzeit abgebaut wurden (darüber schrieb auch Otto Linck) Töpfereien gab, sieht man am Namen so wie im Wappen von Häfnerhaslach. Über 100 Personen waren in dem ehemaligen Töpferdorf Hafenmacher/Häfner.
Eine Verbindung von Häfnerhaslach nach Pfaffenhofen ist jedoch nicht bekannt.
Die Forschungen in Pfaffenhofen gehen weiter, und man darf gespannt sein, was nach Dinosauriern, Keltensiedlung, Schickhardt-Bau (Lambertus-Kirche) und Fleckenmauer noch zutage gefördert wird.
![]()
v.li.: Dr. Robin Dürr, Dr. Natalie Pickartz, Ulrich Peter, BM'in Carmen Kieninger, Olaf Goldstein

