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Aktuelles | El-Kothany, Helga | 09.02.2020

Februar-Stammtisch: Kurpfuscher im Haberschlachter Pfarrhaus?

Dr. Larissa Leibrock-Plehn, in Pharmazie-Geschichte promovierte Apothekerin, zeigte beim Februar-Stammtisch des Zabergäuvereins den vielen interessierten Zuhörern den Gerichts-Streit aus der Zeit  von 1678- 1680 auf.

Angeklagt war Johann Kersten, ehemaliger Franziskanermönch mit Studium der Anatomie und Botanik in Padua, Feldprediger und Feldarzt im Türkenkrieg 1664. Alchimie lernte er auf Reisen nach Schlesien. In Tübingen konvertierte er, erwarb das evangelische Theologieexamen 1666 und war Vikar in Heiningen, Bad Herrenalb und Knittlingen, wo er  sich verheiratete. Ab 1670 war er Pfarrer in Haberschlacht, das nach Krieg und Pest gerade 140 Einwohner hatte. Patienten aus der Umgebung und sogar aus dem Kraichgau fanden bei ihm Heilung. Weil ihn die Zustände in der Apotheke in Brackenheim störten, schickte er seine Patienten zur Apotheke nach Heilbronn.

Der Brackenheimer Stadtarzt Dr. Johann Höllwag und Apotheker Marx Bauer strengten 1678 in Stuttgart einen Prozess an und verklagten ihn wegen „fehlendem Examen, Gewinnsucht und Arzneimittel-Betrug.“

Schon damals funktionierte der Rechtsstaat: Dem beliebten Kersten wurde 1680 trotz seiner Erfolge die Medizin untersagt.  Er starb 1684 mit nur 46 Jahren, Frau und drei Kinder hinterlassend. War er ein Vorläufer des berühmten Pfarrers Kneipp? mfl