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Aktuelles | El-Kothany, Helga | 04.09.2020

September-Stammtisch: Schatzgräber im Mittelalter - magische Praktiken, Geisterbeschwörung und Gebet

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.“ Das erkannte schon Goethes Faust. Welche Praktiken mittelalterliche Schatzgräber in der Region anwandten, um Töpfe voller Gold oder Silber zu finden, verriet die Historikerin Ute Ecker-Offenhäußer in ihrem anschaulichen Vortrag am letzten Mittwoch beim September-Stammtisch des Zabergäuvereins in Güglingen. Ein zugkräftiger Auftakt nach der Corona-Pause, der rund 30 Gäste in die Gymnastikhalle an der Weinsteige lockte.
Die Schatzsuche boomt. Immer wieder werden spektakuläre Funde gemacht, die in Baden-Württemberg allerdings dem Land gehören. Sondengänger brauchen hierzulande eine Genehmigung.
Hilft bei Suchen heute die moderne Technik, kommen im Mittelalter Geisterbeschwörung und magische Mittel zum Einsatz: Wünschelrute, Bergspiegel, Pendel, Kreise, Springwurzel, Alraune. Auch Gebete zu Schutzheiligen werden litaneimäßig heruntergesagt wie das Christophel-Gebet oder Bitten an die Heilige Corona, die Patronin des Geldes – was natürlich für Heiterkeit in der Halle sorgt. Totengeister erlösen ihre Seele, indem sie helfen. Findet man den Schatz, lässt man Messen für  sie lesen – und kaschiert damit oft die eigene Profitgier.
Ein Schultheiß von Botenheim wird so lange von einem Totengeist gequält, bis er den Maurer Christoph Schomm als Schatzsucher engagiert. Pendel, Wünschelrute und Spiegel setzt der Mann im Keller, wo man den Schatz vermutet, ein. Um den Geist anzulocken und eine Springwurzel zu besorgen, verlangt er vorab eine große Geldsumme – und macht sich damit davon. Allerdings taucht er bei einer Schatzsuche im Jahr 1711 in Lauffen wieder auf, wo er seine Untat gesteht und verhaftet wird. Später stellt ihn ein Adliger in Geldnöten zur Suche ein. Vor dort verschwindet er auf Nimmerwiedersehen.
Vielversprechende Schatzorte sind Bäume, Ruinen, Burgen, Keller oder Stellen, an denen der Schnee schnell schmilzt, wo sich kein Tau bildet, die von Tieren gemieden werden. Bevorzugte Suchzeiten sind Feiertage oder die Sonnwende – möglichst in der Stunde vor Mitternacht. Der Teufel erscheint nach Sonnenuntergang, und in der Dunkelheit kann man vieles vor der Obrigkeit verheimlichen.
Gesetzliche Regelungen zur Schatzsuche gibt es allerdings kaum.
Der frühzeitliche Schatz gilt als magisches Objekt, das sich bewegen kann, um sich zu sonnen oder dem Suchenden zu entgehen – weshalb man ihn bannen muss. Wie man aus Sagen weiß, kann er an der Oberfläche auch seine Gestalt ändern. Eine falsche Handlung genügt und aus Gold wird vielleicht Kuhmist – oder es versinkt im Boden.
Mit Hexerei, also schädlicher Magie, hat die Magie des Schatzsuchens nichts zu tun. Es ist eher ein soziales Phänomen in schlechten Zeiten, das seinen Höhepunkt im 18. Jahrhundert erreicht.
Die vielen Beiträge der Gäste, darunter Archäologen und (Hobby-)Historiker, im Anschluss, oft amüsante Anekdötchen über eigene Erlebnisse, zeigen, dass Schatzsuchen, eine Wurzel der Archäologie, auch heute noch fasziniert.