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Aktuelles | Holzwarth, Karlheinz | 13.12.2019

Zurückblickend der Zukunft zugewandt

Der Zabergäuverein feiert  den 120. Geburtstag mit einem Vortrag von Kurt Sartorius über das Gründungsmitglied Conrad Koppenhöfer 

 

Traditionell lädt der Zabergäuverein am 27. Dezember, seinem Gründungstag, zu einer kleinen Feier mit einem Festvortrag ein, dieses Jahr zu einem runden Geburtstag.
„Er ist genau 120 Jahre jung“, begrüßt der erste Vorsitzende Uli Peter die Gäste im Güglinger Rathaus. Und da man einem „Geburtstagskind“ Geschenke mitbringt, kommt Bürgermeister Ulrich Heckmann nicht mit leeren Händen. Er überreicht Uli Peter eine Kopie des wohl ersten Werbeplakats für das Zabergäu, das der Verein im Jahr 1906 herausgegeben hat, „Auf in’s Zabergäu“, mit Fotos von Sehenswürdigkeiten von Lauffen bis Sternenfels sowie Wandervorschlägen durch das Zaber- und Leintal, im Stromberg und Heuchelberg. Der Gratulant verbindet damit auch gleich einen Wunsch: Man möge das Plakat im neuen Jahr doch updaten. Und: „Wir müssen unsere Historie pflegen. Wenn man nicht weiß, woher man kommt, weiß man auch nicht, wohin man gehen soll.“
Seit Jahrzehnten auf Spurensuche und mit vielen Facetten des Zabergäus bestens vertraut ist der Festredner des Abends, der Bönnigheimer Heimatforscher Kurt Sartorius. Er referiert über einen zwar fast vergessenen, aber für die Geschichte Bönnigheims und als Gründungsmitglied für den Verein wichtigen Mann, Conrad Koppenhöfer. Ein „Mann der ersten Stunde“ des Vereins, wie ihn Uli Peter in seinem Grußwort bezeichnet.
Gespickt mit unterhaltsamen Anekdoten und persönlichen Erlebnissen schildert Sartorius den Werdegang des 1861 in Untermünkheim geborenen Sohns eines Schuhmachers. Auf Zureden des aus Bönnigheim stammenden Pfarrers Eckhardt ergreift er den Lehrerberuf und landet nach vielen Stationen im Juli 1887 selbst in der Ganerbenstadt, wo er über 40 Jahre unterrichtet. Als Vorsitzender des Bezirkslehrerverbands setzt er sich mit Nachdruck für eine demokratische, weltoffene Lehrertätigkeit ein – und erhält für seine 25-jährige Leitung als Dankeschön einen Spazierstock mit Silbergriff!
Der kleine, drahtige Mann beschränkt sich jedoch nicht aufs Unterrichten. Er leitet den gemischten Kirchenchor, übernimmt das Organistenamt und findet Zeit, eine zehnbändige Chronik über das Leben in Bönnigheim im Ersten Weltkrieg zu verfassen.
Am 27. Dezember 1899, dem 100. Geburtstag des Theologen und Heimatforschers Karl Klunzinger, erfolgt in Güglingen die Gründung des Zabergäuvereins, und bereits in Heft 2 des ersten Jahrgangs der Vereinszeitschrift wird Koppenhöfer als Gründungsmitglied erwähnt. Bald wird er Ausschussmitglied, Ortsobmann von Bönnigheim, Vertrauensmann des Unteren Zabergäus, Schriftleiter der „Vierteljahreshefte“ des Vereins, der 1903 schon 524 Mitglieder zählt.
Koppenhöfer ist zudem 25 Jahre lang Mitglied des Kirchengemeinderats, und ausgehend von seiner Schulbücherei gründet er die erste Bönnigheimer Stadtbücherei.
Er stirbt zwei Tage vor seinem 94. Geburtstag am 28. Januar 1955, an dem er zum Ehrenmitglied ernannt werden sollte.
Vieles von dem, was seit 1900 im Zabergäu passiert ist, kann man nun auf der neuen Homepage des Vereins nachlesen. Pünktlich zum 120. Geburtstag online, neu gestaltet von Karlheinz Holzwarth, Cleebronn, ermöglicht durch eine Spende des Lions Clubs Güglingen-Zabergäu, bietet sie allen Interessierten einen bequemen Zugang zum Zeitschriften-Archiv der Jahrgänge 1900 – 2009. Per Stichwortsuche lassen sich schnell die gewünschten Artikel finden. Außerdem wird demnächst die von dem Historiker Dr. Otfried Kies überarbeitete „Geschichte des Zabergäus“ von Karl Klunzinger erhältlich sein.  elk

Foto: Uli Peter (li.) und Kurt Sartorius mit dem ersten Werbeplakat für das Zabergäu von 1906.